Das Klosterleben bis zur Revolution

Das Kloster der Ordensfrauen konnte sich nicht lange halten. Das Mönchskloster erlebte dagegen einen großen Aufschwung dank seiner Lage am Pilgerweg nach Santiago de Compostella. Die Bürger von Soultz veranstalteten 1138 die erste Weiheprozession, andere Städte wie zum Beispiel Rouffach folgten 1142... Fortan wurde Thierenbach unter verschiedenen Namen erwähnt: Dirembach, Dierenbach, Tyerembach, Thierbach... Bis ins 19. Jahrhundert hinein stand die Madonna mit dem Kind auf dem Arm im Mittelpunkt der Verehrung. Nach schweren Notzeiten beteten die Pilger eher vor der Pietà, der Schmerzensmutter, die ihren toten Sohn beweint.

Das Kloster hatte eine wechselvolle Geschichte. Im Jahr 1276 wurde es durch Brand zerstört; 1525 kamen aufständische Bauern aus Rouffach und plünderten es; anschließend wurde es wieder aufgebaut, die romanische Kirche erhielt gotische Anbauten. Mit dem geistigen Niedergang ging der Verfall der Bausubstanz einher (vom Einsturz gefährdeter Turm). Im Dreißigjährigen Krieg wurde es verwüstet, die Mönche flohen ins Kloster Saint-Mort nahe bei Remirement. Dort setzte ein Brand ihrem Klosterleben ein Ende. Nur ein Mönch war zur Verwaltung des Landbesitzes und zur Messfeier am Ort geblieben. Bei der Rückkehr des Ordens 1690 fanden die Mönche nur unbestelltes Land und Ruinen vor. Der Wiederaufbau wurde unter Dom Chassignet unternommen, doch hielten die Gebäude heftigen Unwettern nicht stand.

Aufgrund eines königlichen Dekrets von 1692, dem eine Intervention des Bischofs von Basel voranging und dem 1696 die Bestätigung durch die regionale Ständevertretung, den souveränen Rat des Elsass, folgte, wurde das Kloster an den Orden in Cluny zurückgegeben. Anfangs sollte Thierenbach einem anderen Kloster unterstellt werden. Unter Abt Antoine Devilliers begann ab 1698 der Wiederaufbau, der sich bis 1715 hinzog. Der erste Kirchenbau wurde 1700 abgerissen und an seiner Stelle eine Kirche im barocken Stil errichtet. Ihr Architekt war der berühmte Vorarberger Baumeister Peter Thumb. 1731 vollzog Weihbischof Jean-Baptist Haus die Weihe der neuen Kirche. Die wachsende Zahl der Pilger und die vorbildliche Frömmigkeit der Mönche, die sich ganz dem Gebet und den Studien widmeten, trugen zu einer neuen Blüte des Klosters bei.

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